(Graz – 9.4.2013) Saisonstart auch für die Fahrraddiebe: Vor Grazer Wohnhaus verschwanden in einer Nacht gleich 21 Räder. Nur fünf Prozent der Diebstähle im Vorjahr geklärt. Polizei stoppte ihre Codier-Aktionen.

Mit dem richtigen Werkzeug sind Schlösser sofort geknackt. Zwei Drittel aller Diebstähle ereignen sich in Graz. Mit dem richtigen Werkzeug sind Schlösser sofort geknackt. Foto: © neko92vl – Fotolia.com

Diesmal waren die Fahrraddiebe nicht wählerisch: 21 Fahrräder verschwanden in der Nacht auf Sonntag mit einem Schlag aus einem Unterstellplatz in Graz. Nahezu alle Räder, die vor dem Puch-Hochhaus in der Liebenauer Hauptstraße 309 mehr oder weniger gut gesichert abgestellt waren, haben die Diebe vermutlich in ihren Bus oder Lkw gepackt. Die Polizeiinspektion Liebenau (0 59 133 – 6588) hofft auf Zeugenhinweise, die Bestohlenen auf Ermittlungserfolge.

Allzu groß sollte die Hoffnung nicht sein. Gerade einmal 5,4 Prozent der 2975 im Vorjahr in der Steiermark angezeigten Raddiebstähle wurden geklärt, erhob der Verkehrsclub Österreich (VCÖ). Zwei Drittel der Räder (1941) wurden in Graz als gestohlen gemeldet, um 309 mehr als im Jahr zuvor. Die tatsächliche Anzahl dürfte aber bis zu fünfmal höher liegen, gerade bei minderwertigen Rädern scheuen viele Opfer die Mühe der Anzeige.

TIPPS GEGEN FAHRRADDIEBSTAHL

Absichern. Über Nacht das Fahrrad im Kellerabteil oder im Fahrradabstellraum – wenn vorhanden – aufbewahren. An frei zugänglichen Orten das Rad immer an einem festen Gegenstand mit einem hochwertigen Schloss anhängen – und zwar an Rahmen und Vorder- oder Hinterrad. Den größten Schutz bieten Bügelschlösser, Panzerkabel und textilummantelte Kettenschlösser. Jene mit Schlüssel sind Nummernschlössern vorzuziehen.

Versichern. Einige Versicherer bieten die Möglichkeit, das Fahrrad in die Haushaltsversicherung zu inkludieren. Das ist meist die günstigste Variante. Auch Händler, Verkehrsklubs und Vereine bieten spezielle Versicherungen an. Die Leistung knüpft sich aber an Bedingungen, in der Regel gibt es auch Selbstbehalte.

Registrieren. Im Fall des Diebstahls sollte man alle Daten parat haben, die das rechtmäßige Eigentum nachweisen (Rechnung) und die Kennzeichen des Rades beschreiben (Rahmennummer). Auch Fotos sind nützlich. Die Registrierung auf fase24.eu (Kosten: 8 Euro) kann bei der Wiederbeschaffung hilfreich sein.

Dass die Polizei mehr tut, als nur die Flut der Anzeigen zu protokollieren, zeigen jüngste Erfolge gegen Seriendiebe und -einbrecher. “Wir schauen uns aber auch immer wieder genau in Secondhandshops um, wo oft gestohlene Räder angeboten werden”, versichert Oberstleutnant Gerhard Lachomsek vom Kriminalreferat der Grazer Polizei. Auf dem heimischen Markt finden jedoch eher Kleinkriminelle Abnehmer, die größeren Coups gehen auf das Konto straff organisierter Banden ungarischer und rumänischer Herkunft. Von Spähtrupps, die durch Siedlungen streifen, wird berichtet. Und dass Räder zwischen Sperrmüll versteckt in Klein-Lkws über die Grenze gebracht werden.

Bis 2012 bot die Polizei übrigens noch an, Räder kostenlos zu codieren und so für Diebe uninteressanter zu machen. Das Service wurde aber eingestellt, auch weil sich modernere Fahrradrahmen dazu nicht mehr eignen. Eine effektive Alternative bietet der Feldbacher Horst Reiter mit seiner Registrierungsdatenbank fase24.eu an. In Zusammenarbeit mit dem Sporthandel werden die Räder dort schon nach dem Verkauf eingetragen, nachträglich ist dies auch bei Gemeinden oder dem ÖAMTC möglich. “Die Hälfte der gestohlenen Räder taucht ja irgendwo wieder auf”, sagt Reiter zum Prinzip seiner Datenbank. “Nur können sie dann keinem Besitzer zugeordnet werden und sind erst wieder verloren.”

Quelle: Kleine Zeitung Digital, 9.4.2013 Wilfried Rombold